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title: "Gestörte Nachtruhe"
autoren: ["Lothar Kolditz"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 2"
projekte: ["50"]
schiffe: ["Friedrich Engels"]
zeitraum: "1960"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t02-gestoerte-nachtruhe"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Gestörte Nachtruhe

> Beim Flottenbesuch zur „Woche des Meeres 1960“ liegt die „Friedrich Engels“ auf Reede vor Gdansk. Ein Unterleutnant kehrt spätabends mit der Admiralsbarkasse an Bord zurück – und wird vom Kommandanten grimmig empfangen, weil der Diensthabende beim Anblick der Barkasse den „Alten“ geweckt hat.

„Die Friedrich Engels“ lag in der Bucht von Gdansk vor Reede. Wir waren Gast der polnischen Marine zur „ Woche des Meeres 1960“.

Nachdem ich vom Morgen an mit einer Gruppe Matrosen die schöne Altstadt von Danzig besichtigt hatte, konnte ich, nachdem ich meine Mannschaft am Nachmittag wieder wohlbehalten an Bord hatte, nochmals allein in die Stadt zurückkehren. Eingeladen bei einer polnischen Offiziersfamilie verging der Abend wie im Flug und ich mußte im Hafen auf das letzte Kurierboot warten. Kurz vor der dessen Ankunft legte unerwartet die Admiralsbarkasse an und der Chef der Volksmarine persönlich lud mich zur Rückfahrt ein. Nachdem die Barkasse am Schwesterschiff, welches ebenfalls auf Reede lag, angelegt hatte und der Admiral mit seiner Begleitung an Bord gegangen war, ging es weiter zur „Friedrich Engels“, um mich dort abzusetzen.

An Bord wurde ich vom Kommandanten persönlich empfangen und konnte mir zuerst den Grund dafür gar nicht erklären, denn ich war weder angetrunken, noch an Land irgendwie aufgefallen. Er machte eine Bemerkung von Flausen großkotziger Unterleutnants, die noch nicht mal richtige Offiziere seien und forderte mich grimmig auf, schnellstens unter Deck zu verschwinden.

Am nächsten Tag erfuhr ich dann den Grund für die schlechte Laune des „Alten“. Er hatte tagsüber mehrere anstrengende Empfänge an Bord gehabt und spätabends dem Diensthabenden Offizier den Befehl gegeben, ihn ungestört schlafen zu lassen, es sei denn, der Admiral käme an Bord. Trotz Dunkelheit hatte der Diensthabende die Admiralsbarkasse richtig erkannt und den Kommandanten geweckt. Woher sollte er auch wissen, daß deren Besatzung nur aus dem „Barkassenkutscher“ und einem Unterleutnant bestand.

— Lothar Kolditz
