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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
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Echte Freundschaften überdauern Jahrzehnte

Fritz Krause, letzter DDR-Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder (1965–1990), schreibt als Gast über seine Freundschaft mit Fregattenkapitän a. D. Ulrich Mädel, seine eigene Marinezeit 1943–1945 auf dem Räumboot R-157 und die Patenschaft der Stadt mit dem Landungsschiff „Frankfurt/Oder“ (613, Projekt 108) der 1. Flottille, das heute als „Cendrawasih“ in Indonesien fährt.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel stammt nicht von einem KSS-Fahrer. Fritz Krause war zu DDR-Zeiten der letzte Oberbürgermeister der Bezirkshauptstadt Frankfurt/Oder. Nachdem er über Bekannte Gelegenheit hatte, unsere KSS-Broschüren zu lesen, wurde er zu dieser Zuschrift angeregt. Wir haben uns entschlossen, seinen Beitrag in die aktuelle KSS-Broschüre aufzunehmen.

Wie wir ganz bestimmt alle wissen, haben echte Männerfreundschaften mannigfaltige Ausgangspunkte. Da wären gemeinsame Kind- und Schulzeit, erlebte Nachbarschaft, Prüfungen in Krisen oder Kriegen, das Beisammenstehen im Arbeitsleben, gemeinsame Dienstzeiten und, und, und….. Bei mir liegen die Dinge nicht anders. Es ist die gemeinsame Weltanschauung und das Einstehen für eine solidarische Welt, die mich vor einer Reihe von Jahren mit Fregattenkapitän (Ing.) a. D. Ulrich Mädel zusammenführte. Uli ist heute u. a. auch Mitglied der Marinekameradschaft KSS Warnemünde e. V. Das engagierte Miteinander für unsere Positionen zur heutigen Gesellschaft, in der wir leben, das Organisieren von Willensbekundungen und Demonstrationen bis hin zu Pressearbeit und Wahlkampf ließ unsere Gemeinsamkeit wachsen. Dabei ist unsere Herkunft durchaus unterschiedlich. Als wir uns kennen lernten, trug Uli keine Uniform mehr, machte aber kein Hehl daraus, wie schwer es ihm gefallen war, ab 1977 nicht mehr das Blau der Marine zu tragen. Schier erstaunt aber war er, als ich ihm erzählte, auch einmal zur Marine – wenn auch zu einer ganz anderen – gehört zu haben. Bergen op Zoom in Holland, Kiel-Mürwik und Hammerfest in Norwegen zählten logischerweise nicht zu den Standorten oder Liegeplätzen, die Uli in seiner Dienstzeit kennen lernte.

1943 wurde ich als 18jähriger eingezogen. Das Ende des Kriegs im Mai 1945 erlebte ich auf dem Räumboot R-157 (Typ 43). Plötzlich befand ich mich ohne mein Zutun im Deutschen Minensuchdienst bis zur Bootsübergabe an Dänemark. Es folgten Gefangenschaft in Kiel-Friedrichsort und Heide. Meine Entlassung aus der Gefangenschaft erreichte ich nur durch Fürsprache und Einladung nach Köln eines Heizers von R-157, Pit Müller. In die sowjetisch besetzte Zone erfolgten 1946 keine Entlassungen. Trotz herzlicher Aufnahme in Köln und Begegnung mit vier heiratsfähigen, hübschen Mädchen ließ dennoch wachsendes Heimweh den Entschluss reifen, baldigst die Reise vom Rhein in die Heimat an der Oder anzutreten. Angesichts der hier bei Vater und Mutter angetroffenen Kriegsfolgen, Frankfurt/oder war am 26.01.1945 zur Festung erklärt worden, gestehe ich offen den Zwiespalt, schnell wieder abzuhauen oder sich vor Ort den Forderungen der Zeit zu stellen. Die Hilfe des Vaters (seit 1919 in der SPD) und eigene Einsichten obsiegten und ließen Schritt um Schritt ein Gefühl der Verantwortung wachsen für das friedliche Miteinander der Menschen hier links und rechts der Oder. Dieser Einsicht war ich in meiner 25jährigen Tätigkeit als Oberbürgermeister (1965-1990) fest verbunden und bin es noch heute. Freilich ist man bei einer solchen Tätigkeit nie allein. Man braucht auch Anstöße und Hinweise von Mitarbeitern und Freunden – wie von Uli Mädel – um gesellschaftliche Notwendigkeiten zu erkennen und in der Arbeit zu beachten.

Fritz Krause und Uli Mädel am am 80. Geburtstag des Autors
Fritz Krause und Uli Mädel am am 80. Geburtstag des Autors Broschüre Teil 5, Seite 44Bildnachweis des Heftes: Fotos: Horst E. Schulze, Manfred Kretzschmar, Internet — Grafiken: Hans Räde

Aus meiner kommunalen Tätigkeit erwuchsen auch Beziehungen zu unser neuen Marine der DDR, wie sie eben nur unter sozialistischen Bedingungen möglich waren. Heute wird leider oft der damit verbundene Begriff des Paten oder der Patenschaftsarbeit herabgewürdigt. Uns war es ein ehrliches Bedürfnis. Es war mehr als Arbeit oder befohlenen Pflicht an sich. Es war kein plakatives Zeichen der Einheit von Stadt und Besatzung des Landungsschiffes „Frankfurt/ Oder“ (Bordnummer 613, Projekt 108) der 1. Flottille. Mag es heute auch etwas emphatisch klingen: Gemeinsames Eintreten für den Frieden und für unsere friedliche Arbeit – so sahen wir Wert und Sinn unserer Partnerschaft zu Schiff und Besatzung. Alles aufzuzählen, wie sich damals ein solches Miteinander gestaltete, ist schier unmöglich. Der ernste, der politische Hintergrund, ist schon genannt. Das wäre für erlebte Patenschaft aber viel zu wenig. Stadtverordnete besuchten das Schiff und berichteten über das Geschehen in der Stadt. Delegationen aus unserem damals 6000 Beschäftigte zählenden Halbleiterwerk und anderen florierenden Betrieben weilten an Bord. Blaue Blusen bei jedwedem gesellschaftlichen Ereignis in der Stadt. Über die Liebe entstanden daraus sogar Ehebeziehungen, die noch heute glücklichen Bestand haben. Manch einer der Matrosen fand nach seinem Dienst in der Volksmarine bei uns Arbeit. Mit einem Wort gesagt, ein vielfältiges, helfendes Miteinander war angesagt und immer war viel Frohsinn dabei. Natürlich wäre ich ein Lump, würde ich unterschlagen, dass Kommandanten und Backschafter ihre Gäste an Bord (darunter manchmal auch den Oberbürgermeister) mit dem bekannten Peenemünder Sodawasser oft so beträufelten, dass das Erreichen der Pier gerade noch möglich war. Aber auch das hat nicht gehindert, unseren gegenseitigen Pflichten immer gerecht zu werden. Ganz im Gegenteil! Wie gut diese Zusammenarbeit florierte, dafür legen heute noch das Logbuch des Schiffes 613 genau so wie das Archiv der Stadt Frankfurt/ Oder Zeugnis ab.

Nun rund 15 Jahre nach einem Deutschland, welches weder das Landungsschiff 613 noch unser großes Halbleiterwerk brauchte und das die Stadt selbst von 90.000 Einwohnern (1989) auf 61.000 (2005) zurückgefahren hat (Perspektive: 54.000 Einwohner), mache ich mir wie viele Millionen Bürger Sorgen um eine friedliche Zukunft. Gerade deshalb möchte ich aber auch all denen, die nach 1945 in Uniform auf dem Land, in der Luft oder zur See für eine sichere Welt eintraten meine Achtung und meinen Respekt erweisen. Eintreten für eine gerechtere Welt – das ist mein Kredo im 81. Lebensjahr und darüber hinaus. Solche Freunde wie Uli Mädel hoffe ich dabei weiter an meiner Seite. Gewiß, wir haben heute die „Freiheit“, das frühere Landungsschiff 613 jetzt unter dem Namen „Cendrawasih“ im indonesischen Hafen Teluk Ratai zu besuchen. Ich aber wäre viel glücklicher, unser Schiff beim friedlichen Dienst für ein geeintes Deutschland an der Pier von Peenemünde zu wissen.

— Fritz Krause

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