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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Episoden und Gedanken

Badegäste (Erinnerungen Teil 2)

Ulrich Korn, damals Gehilfe des Kommandanten und später Kommandant der „Friedrich Engels“, erinnert sich an prominente „Badegäste“ an Bord: Lotte Ulbricht bei der Ostseewoche 1961, die Boxstaffel des ASK Berlin, den Marinemaler Hans Raede mit einer Reportergruppe der Zeitschrift „Jugend und Technik“ sowie eine Journalistengruppe von rund 50 Personen im Februar 1962. Beim Einlaufen in Saßnitz bei starkem Wind kollidierte das Schiff dabei mit dem Otterkran eines MLR. Enthalten ist der Nachdruck des NBI-Artikels „Nördlich von Arkona“.

Als Badegast bezeichnet der Seemann jeden Gast an Bord, der an einem Seetörn teilnimmt, aber keine Aufgaben im Schiffsbetrieb erfüllt. Der Begriff ist ironisch-freundlich gemeint, manchmal aber auch bissig. Die Offiziere des Brigadestabes wurden davon weitestgehend ausgenommen, es sei denn, sie benahmen sich wie „Badegäste“. Das gab es leider manchmal auch. Die KSS, als die größten Einheiten der Volksmarine, hatten häufig Badegäste an Bord. An eine ganze Reihe erinnere mich gut. Über die DEFA-Leute schrieb ich schon im Teil 6 dieser Reihe unter dem Titel „Erinnerungen“. Heute möchte ich an andere erinnern.

Der Autor dieses Beitrages
Der Autor dieses Beitrages Broschüre Teil 7, Seite 17Bildnachweis des Heftes: Fotos: Dieter Flohr, Ulrich Korn, Lutz Vespermann, Internet

„Lotte“

Anlässlich der Ostseewoche 1961 besuchte der damalige Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, die Volksmarine und stieg mit seiner Begleitung auf der „Friedrich Engels“ ein. In meinem Fotoalbum bewahre ich einige Zeitungsartikel und Fotos aus der Presse auf. Wie auf einem Foto zu sehen ist, nahm Ulbricht häufig seine Gattin, Lotte Ulbricht, bei solchen Anlässen mit. Die Verteilung der Aufgaben an Bord während der Überfahrt von Warnemünde nach Saßnitz waren genau festgelegt. Auf dem HBS hielt sich von der Schiffsführung nur der Kommandant und ein BÜ-Gast auf. Der Gehilfe des Kommandanten (GdK), in diesem Falle ich, hatte für die allgemeine Ordnung an Bord zu sorgen. Für die vorgesehenen Gespräche mit Angehörigen der Besatzung standen die ausgesuchten Offiziere, Meister, Maate und Matrosen in pikobeller Uniform bereit. Als Nebenaufgabe sollte ich mich in gebührendem Abstand bereithalten, Fragen von Begleitern der hohen Gäste zu beantworten, die auf eigene Faust das Schiff erkunden wollten. Insbesondere sollte ich mich um Lotte Ulbricht kümmern, falls diese, der Fachgespräche der „Männer“ überdrüssig, den HBS verlassen sollte. Ich hielt mich also meist auf dem Peildeck auf und richtig, es dauerte nicht lange, da kam die „First Lady“ wie man heute sagen würde, den Niedergang abwärts. Natürlich hatte sie einen Betreuer vom Kommando der Volksmarine im Schlepp. Außerdem waren zwei junge, kräftige Herren, deren Aufgabe unschwer zu erraten war, in ihrer Nähe. Sie besuchte dann zunächst den Kartenraum und kam nach einiger Zeit wieder zurück. Nun war es gerade die Zeit, als in der Kombüse das Mittagessen zubereitet wurde - für die Besatzung. Für die Gäste hatten eigene Köche aus mitgebrachten Produkten ein Kaltes Buffet in der O-Messe aufgebaut. Nun lag ja das Skylight der Kombüse direkt achteraus hinter dem Peildeck und der Duft angebratener Zwiebeln und Schnitzel zog nach oben. Das weckte in Lotte Ulbricht sicher „Hausfraueninstinkte“ und sie blickte von oben der Arbeit der Smutjes zu. Plötzlich hatte sie die Idee, sich die Sache mal von unten anzusehen. Da musste ich mich dann doch einschalten. Ich stellte mich kurz vor und konnte so verhindern, dass diese Idee umgesetzt wurde. Unsere „Boulettenschmiede“ war zu dieser Zeit auch nicht mehr so recht vorzeigewürdig. Danach besichtigte „Lotte“, wie sie meist respektlos genannt wurde, noch ein Mannschaftsdeck und war sichtlich beeindruckt von den schweren Bedingungen unter denen unsere Matrosen ihren Dienst versahen. Die sanitären Anlagen habe ich ihr dabei noch erspart. Dann bedankte sie sich sehr freundlich bei mir und verschwand in der O-Messe. Übrigens, sanitäre Anlagen. Die einzige, für solch hohe Gäste zumutbare Toilette, war ja die im Offiziersdeck. Damit sich da niemand ins Gehege kam, stand dort ein Maat Posten, besonders, um die einzige Frau an Bord vor peinlichen Überraschungen zu schützen. Ich kann nicht einmal sagen ob überhaupt der „Ernstfall“ eingetreten ist. Dieser Besuch im Jahre 1961 war nicht der erste seiner Art und auch in späteren Jahren wiederholten sie sich. Hans Steike schrieb ja auch schon darüber. Sie hatten meist auch den hintergründigen Zweck mehr Mittel für die Volksmarine herauszuschlagen. Ob das so geklappt hat? Für einige der Gäste waren es wohl doch nur „Bäderreisen“.

ASK-Boxstaffel

1961 oder 1962 waren einmal die Boxer des Armeesportklubs Berlin bei uns zu Besuch. Die ASK-Boxstaffel war damals eine der erfolgreichsten Clubmannschaften. Sie stellte einige DDR-Meister, Teilnehmer und Medaillengewinner bei Europameisterschaften und Olympischen Spielen. Bekannte Namen waren zu dieser Zeit die Gebrüder Olesch, G. Siegmund, D. Limant, K. Luckau, H. Schulz und viele andere. Diese alle waren nun an Bord und gefragte Gesprächspartner bei der Besatzung. Einer der erfolgreichsten war wohl Heinz Schulz. Er war mehrmaliger DDR-Meister, dritter bei der Europameisterschaft 1961 im Federgewicht. Später, 1964, gewann er die Bronzemedaille im Federgewicht bei den Olympischen Spielen in Tokio. Er hatte sozusagen die Sprecherfunktion und ich konnte mich mit ihm längere Zeit unterhalten. Das Schiff, der Dienst an Bord und viele andere Fragen interessierten ihn sehr. Auch einen kurzen Seetörn haben die trainierten Sportler gut überstanden. Die Boxstaffel war damals in Strausberg stationiert und die meisten Boxer und Trainer wohnten auch dort. Manfred Wolke z.B. wurde nach seinem Olympiasieg in unserem Wohngebiet euphorisch empfangen. Als die Boxer dann nach Frankfurt (Oder) verlegt wurden, blieben einige Sportler, die dann ihre aktive Laufbahn beendeten, in Strausberg wohnen und verrichteten Dienst in den verschiedensten Dienststellen in Strausberg. Noch heute treffen sich manchmal bei Veranstaltungen der Volkssolidarität zwei ältere Herren, ein Ex-Olympiadritter und ein Ex-KSS-Kommandant, und klönen über Erlebnisse aus der Jugendzeit

Hans Raede

Am 18. und 19.Januar 1962 war eine 3-Mann-Reportergruppe der GST-Zeitschrift „Jugend und Technik“ auf der „Friedrich Engels“. Texteschreiber war Wolfgang Schünke, Fotos machte ein Herr Demme und für die Illustrationen kam der doch schon recht bekannte „Marinemaler“ Hans Raede an Bord. Sie haben in zwei Tagen fleißig gearbeitet. Schünke widmete sich ganz dem GA-II, Demme machte überall, wo es erlaubt war, seine Aufnahmen und Hans Raede war mit seinem Skizzenblock überall auf dem Schiff und an Land anzutreffen. Beim Abschied erläuterte mir Hans Raede sein Vorhaben: eine Bildmappe mit den überarbeiteten Skizzen. Kurze Zeit nach dem Besuch der Reporter erschien in der „Jugend und Technik“ ein längerer Artikel unter dem Titel „Salve Feuer“. Etwas später brachte die Post ein großes, flaches Paket. Darin eine Mappe in Format A 3 mit 10 Skizzen Hans Raedes von seinem Besuch auf der „Friedrich Engels“. Mit seinem Projekt würde es nicht so werden, wie er sich das vorgestellt hatte, aber er schenkte der Besatzung diese Mappe. Ich habe diese Mappe in der Kommandantenkammer aufbewahrt und bei Besuchen an Bord wurde sie oft gezeigt. Bei meinem Abstieg vom Schiff habe ich diese Mappe an meinen Nachfolger Kurt Urmoneit übergeben und dann nie wieder etwas davon gehört. Schade, dachte ich, wenn sie irgendwann verloren gegangen wäre. Beim Treffen des Traditionsvereins KSS-Brigade Saßnitz 2002 in Saßnitz war dann großes Hallo, als Paul Tandetzki diese Mappe auf der Pier zeigte. Nach 40 Jahren sah ich die verloren Geglaubte wieder. Am Abend beim Kameradschaftstreffen überreichte mir Paul dann zu meiner großen Freude eine Mappe mit Abzügen im Format A4. Über Uli Mädel sind die Skizzen dann auch in Rostock gelandet und wurden mit Zustimmung von Hans Raede, der seitdem Kontakte zur Marinekameradschaft KSS e.V. Rostock-Warnemünde hält, im Heft 3 veröffentlicht. Ich hoffe nur, dass ich vielleicht Gelegenheit habe, Hans Raede einmal bei einem Treffen der Kameradschaft zu begegnen.

Medienüberfall

Es muss im Februar 1962 gewesen sein. Die „Friedrich Engels“ und ihre Besatzung legten gerade die Einzelschiffsaufgaben ab. Wir waren schon ein oder zwei Tage in See und hatten bereits eine Reihe von Aufgaben mit Erfolg absolviert. An einem frühen Morgen legten wir wieder in Saßnitz an, mit dem Heck an der Querpier, um Minen und Wasserbomben zu übernehmen. Da das unter gefechtsmäßigen Bedingungen erfolgte, war ich etwas erstaunt, dass der PV, Kapitänleutnant Wübbelmann, und ich uns auf der Pier beim Brigade-PV, Max Zawichowski, melden sollten. Dort stand ein Bus und rund um Max eine Gruppe von etwa 50 Leuten. Wir wurden diesen vorgestellt. Dann verklickerte man uns, dass diese 50 Mann mit der „Friedrich Engels“ auslaufen würden, um zum bevorstehenden Jahrestag der NVA Material für Artikel zu sammeln. Ich bat die „Truppe“ an Bord und in die O-Messe. Dort erläuterte ich kurz, was auf See passieren würde, gab unseren Gästen einige kurze Verhaltensregeln und übergab sie an Hans Wübbelmann. Dann begab ich mich auf den HBS und wir liefen wieder aus. Aufgefallen war mir bereits beim Empfang der Reporter, ihre wenig den Wetterverhältnissen angepasste Bekleidung. Es war immerhin Winter, wenn auch ein relativ milder und inzwischen hatte es auch etwas aufgebriest. Die Besatzung arbeitete im Wattezeug und hatte Pelzmützen auf dem Kopf; die meisten Reporter hatten nur leichtere Anoraks an und meist keine Kopfbedeckung. Ich hatte aber keine Zeit mir darüber weiter den Kopf zu zerbrechen, denn nun ging unsere Aufgabenerfüllung planmäßig weiter. Ich will darüber nicht weiter erzählen, denn es gab in der NBI (Neue Berliner Illustrierte) einen anschaulichen Artikel. Als wir wieder auf Kurs Saßnitz liefen, hatte ich dann Zeit, mich einmal um unsere Gäste zu kümmern. Viele von ihnen waren von Kälte und Seegang arg in Mitleidenschaft gezogen. Eine Gruppe saß rund um den Schornstein und wärmte sich, andere hielten sich immer in der Nähe der Reling auf, um keinen langen Weg zum “Opfern“ zu haben. In der O-Messe saßen an BB-Seite einige seefeste Herren und frühstückten, während an StB-Seite andere, mit Schüsseln und Eimern ausgestattet, das Gegenteil davon taten oder erwarteten. Ich glaube, viele konnten nichts über die Volksmarine berichten, sie mussten später über die Land- oder Luftstreitkräfte schreiben. Nach einem kurzen Interview für irgendeinen Sender war ich wieder auf dem HBS, denn wir standen kurz vor Saßnitz. Einlaufgenehmigung wurde erteilt und das Manöver eingeleitet. Inzwischen wehte ein ziemlich heftiger Wind aus NO, das hieß, es würde nicht einfach werden, den Liegeplatz zu erreichen. In meiner ersten Zeit als GdK hatte mich mein damaliger Kommandant, Dieter Dembiany, jedoch gut auf solche Situationen vorbereitet. Genau vor so einer, die er mir immer geschilderte hatte, stand ich jetzt selber. Nun hatte unser Saßnitzer Hafen eine Tücke: die konkrete Lage im Hafenbecken war erst genau dann zu sehen, wenn man schon mit dem Schiff zwischen den Molen war und dann gab es kein Zurück mehr. Im Heft 4 wird ja von Dieter Sperling sehr anschaulich über eine solche Situation mit der „Ernst Thälmann“ im Herbst 1963 berichtet. In unserem Fall lagen an der so genannten „Westmole“ vor dem uns angewiesenen Liegeplatz zwei MLR im Päckchen. Gegenüber, an der Holzpier mit dem Kran, zwei Hilfsschiffe und vor diesen sechs TS-Boote in zwei Dreierpäckchen. Während wir nach BB drehten, gab ich an den BS-V die Information, das „harte“ Manöver folgen würden. Als die „Friedrich Engels“ auf Kurs durch die verbliebene Lücke lag, befahl ich „AK-Voraus“. Nervenaufreibend langsam nahm das Schiff Fahrt auf. 1600 t bewegten sich dann ziemlich schnell auf den Liegeplatz zu. Als die Lücke fast passiert war, gab ich „AK-Zurück“. Das Schiff zitterte, als die Turbinen umgesteuert wurden, machte aber immer noch Fahrt voraus – und nicht wenig. Plötzlich lautes Gestikulieren und Rufe vom Leinenkommando auf der Back. Ehe über BÜ eine Information auf dem HBS ankam sah ich selber, dass das außen liegende MLR den Otterkran ausgeklappt hatte. Ein sofortiges „Hart Steuerbord“ kam kaum noch zum Tragen, der Bug bewegte sich nur träge etwas vom Otterkran weg. Dann knallte es, der Kran flog zurück (nur gut das von der MLR-Besatzung niemand in der Nähe war), es knirschte leicht, dann waren wir vorbei. Inzwischen hatte ich die Maschinen gestoppt und wir kamen genau auf der Höhe unseres Liegeplatzes zum Stehen. Das Übrige erledigte der Wind. Von unseren Gästen hatte wohl kaum einer etwas von der Situation mitbekommen. Die meisten suchten nur so schnell wie möglich wieder festen Boden unter den Füßen. Da ich sofort nach dem Festmachen ebenfalls auf die Pier eilte um den Schaden festzustellen, konnte ich mich wenigstens noch von einigen verabschieden. Das Schiff hatte in Höhe der sanitären Anlagen der Mannschaftsdecks einen etwa drei bis vier Meter langen Schlitz abbekommen. Der wurde zunächst provisorisch gedichtet und später in der Neptunwerft fachmännisch geschlossen. In der Folgezeit erschienen in vielen Zeitungen und Zeitschriften Artikel über diese Fahrt der „Friedrich Engels“. Hier der aus der NBI Nr. 26/1962 5. Juniheft unter der Überschrift „Nördlich von Arkona“:

In der Ferne zogen sie vorbei, die schlanken Schiffe unserer Volksmarine. Und wohl jeder, der sie sah, fühlte dem Wunsch, sich so einen „Dampfer“ mal aus der Nähe anzusehen. Für unsere Reporter Joachim Sonnenberg (Text) und Horst E. Schulze (Bild) ging dieser Wunsch in Erfüllung. Sie besuchten eines der größten Schiffe unserer Volksmarine, ein Küstenschutzschiff.

Kurz – kurz – lang…Die Alarmanlage signalisiert „U“. U-Boot-Alarm! Vor wenigen Momenten war der Schallstrahl der hydroakustischen Anlage auf ein Hindernis gestoßen. Unser Schiff erhöht die Geschwindigkeit und kurz darauf donnert der Bugwerfer einen Schwarm torkelnder Wasserbomben in die Luft. Enttäuschte Gesichter bei den Journalisten, denn die Detonation beim Einschlag bleibt aus – es sind nur Übungsbomben. Mit erheblich geringeren Erwartungen wenden sie sich dem Heck zu, von dem weitere Bomben ins Wasser segeln. Nach einigen Sekunden läßt ein gewaltiges Dröhnen unser Schiff erzittern. Die Bomben sind auf dem Meeresgrund explodiert! Nur langsam erholen sich die Skeptiker von der Überraschung.

Es war überhaupt eine Fahrt der Überraschungen. Die erste überfiel uns, als wir die ruhigen Gewässer hinter der Hafenmole verließen. Windstärke 5 bis 6 herrschte draußen, außerdem sei Sturmflutwarnung gegeben worden, erfuhren wir. Es wurde alles andere als eine lustige Seefahrt. Das Wohlbefinden einiger Mitfahrer geriet stark aus dem Gleichgewicht. Doch wenden wir uns den weiteren Eindrücken zu. Da muss als nächstes der „Kapitän“ genannt werden (dessen korrekte Bezeichnung übrigens Kommandant lautet, Kapitän ist ein Dienstrang). Es mag banal klingen, doch kaum, dass ich ihn sah, hatte ich das Lied vom „glücklichen jungen Kapitän“ im Ohr. Nicht, dass er überglücklich ausgesehen hätte. Wie sollte er auch, denn zu seiner Verantwortung über mehr als 100 Matrosen waren für knapp vier Stunden die über 50 neugierigen Presseleute hinzugekommen. Aber jung war er! Ganze 29 Jahre zählt Kapitänleutnant Korn. Und wie dieser junge Kapitän mit seiner noch erheblich jüngeren Mannschaft die bei der Übungsfahrt gestellten Aufgaben löste, wie alles wie am Schnürchen klappte, war für uns die Überraschung Nummer drei.

Da kommt das Kommando „Atomalarm“, und Sekunden später tauchen die Besatzungsmitglieder in ihren gespenstisch anmutenden Schutzanzügen gefechtsbereit an ihren Einsatzstellen auf. Man merkt es ihnen an, dass jeder ihrer Handgriffe durch zigmaliges Üben in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Und hier gleich noch ein Wort an alle die jungen Menschen, die glauben, ihren Armeedienst nur bei der Volksmarine ableisten zu können, weil es ihnen das „schöne Seemannsleben“ und die schmucke Ausgangsuniform angetan haben. Die Seefahrt fordert ganze Kerle, die im eisigen Wind auf Freiwache stehen, die bei 45 Grad Wärme in luftundurchlässigen Schutzanzügen an den Maschinen ihre Arbeit verrichten, die mitunter wochenlang im ständigen Wechsel 4 Stunden Wache – 4 Stunden Ruhe einsatzbereit sind und die daneben Verstand für die Technik mitbringen müssen, denn gerade auf dem Gebiet gibt es auf dem Schiff für jeden viel zu lernen. Wer sich davor nicht scheut, kann sich vielleicht auch einmal unter die prächtigen Jungen einreihen, die wir auf unserer kurzen Fahrt kennenlernten und denen wir noch einmal unsere Hochachtung für ihre ständige Einsatzbereitschaft zum Schutze unserer Republik aussprechen wollen.

Soweit der NBI-Artikel. Der beschädigte Otterkran des MLR hatte natürlich eine Havarieverhandlung zur Folge. Doch weder ich noch der OP-Dienst wurden für schuldig befunden. Ob überhaupt jemand verantwortlich gemacht wurde? Ich nehme an, die Journalisten mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt schon wieder an anderem Ort sein und deshalb wurde dem OP-Dienst befohlen, sofort die Einlaufgenehmigung zu erteilen. Übrigens bin ich mit der „Friedrich Engels“ noch einmal in eine ähnliche Lage beim Einlaufen gekommen. Da lief dann alles beinahe schon routinemäßig. Ich sehe nur heute noch die entsetzten Gesichter von Max Zawichowski und der anderen Stabsoffiziere an Land, als das Schiff auf sie zugeschossen und nur knapp vor der Pier zum Stehen kam.

Hier noch einige Bilder, von denen einige – weil aus alten Zeitschriften „reproduziert“ – leider an Qualität etwas zu wünschen übrig lassen:

Am 100mm-Geschütz
Am 100mm-Geschütz Broschüre Teil 7, Seite 21Bildnachweis des Heftes: Fotos: Dieter Flohr, Ulrich Korn, Lutz Vespermann, Internet
Entaktivierung
Entaktivierung Broschüre Teil 7, Seite 21Bildnachweis des Heftes: Fotos: Dieter Flohr, Ulrich Korn, Lutz Vespermann, Internet
Im Ruderraum
Im Ruderraum Broschüre Teil 7, Seite 21Bildnachweis des Heftes: Fotos: Dieter Flohr, Ulrich Korn, Lutz Vespermann, Internet
Abschuss einer Wasserbombe WB-1
Abschuss einer Wasserbombe WB-1 Broschüre Teil 7, Seite 21Bildnachweis des Heftes: Fotos: Dieter Flohr, Ulrich Korn, Lutz Vespermann, Internet

— Ulrich Korn

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