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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Episoden und Gedanken

Einstieg in die Marine

Wolfgang Fiß erinnert sich an seine Grundausbildung 1956 in Saßnitz-Dwasieden, an die Schikanen und Höhepunkte der Ausbildungszeit und daran, wie er mit drei Kameraden als Pumpengast zur Baubelehrung für das KSS 1-61 abkommandiert wurde, auf dem er bis 1959 Dienst tat.

Meine Generation hatte als Kind den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken und oft tragischen Familien-Einschnitten erlebt. Geprägt durch diese Ereignisse und durch eine sehr doktrinäre Nachkriegszeit – mit Stalinmappe – war die Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuer und persönlicher Entfaltung in einer Gruppe Gleichgesinnter für viele junge Menschen der damaligen Zeit ein erstrebenswertes Ziel. So auch für mich. Es reizte besonders der Wunsch, die Weltmeere zu befahren und fremde Länder kennen zu lernen. Wären da nicht die jungen Seestreitkräfte der DDR ein günstiger Einstieg? Nach dem Abschluss der Ausbildung zum Lokomotivschlosser gab es kein Halten mehr und ich meldete mich mit einigen anderen Kameraden zur Marine. Der damalige Aufruf der FDJ zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft der DDR hatte dabei vielleicht etwas nachgeholfen, dieser politische Hintergrund war für mich aber nicht das entscheidende Element.

Wir schrieben das Jahr 1956. In Neustrelitz bestiegen wir voller Erwartung den Sonderzug, der sich in Neubrandenburg weiter mit Gleichgesinnten füllte und letztlich in Sassnitz den Bahnhof erreichte. Auf dem Bahnsteig wurden wir von Uniformierten in Blau mit weißem Mützenbezug empfangen. Hier lernten wir bereits, uns als ordentliche Marschkolonne zu formieren. Aus dem Bahnhofsgelände heraustretend, sahen viele von uns zum ersten Mal das faszinierende Bild der Ostsee und wir meinten, die Zeit der Seefahrt sei gekommen. Mit meiner Frau bin ich auch heute noch fast jährlich in meiner damaligen Garnisonsstadt Sassnitz. Wir genießen immer wieder dieses einmalige Panorama mit dem weiten Blick über See und den am Fuß der Steilküste liegenden Hafen.

Zurück ins Jahr 1956. Im Objekt Dwasieden angekommen, aufgeteilt in Kompanien und Züge, eingewiesen in Baracken und Stuben zu je 12 Mann, ging es als nächstes zur Einkleidung. Zu unserem Entsetzen sahen wir uns alle in Khakiuniform wieder. In der Folge lernten wir ein viertel Jahr lang die allen Gedienten bekannten Grundregeln des Militärs. Da wir ohne Landgang ausharren mussten, ging es wenigstens auf den Stuben manchmal laut und lustig zu. Das gefiel unseren vorgesetzten Unteroffizieren wohl nicht so recht und verleitete sie zu der scheinheiligen Frage, wer wohl zu den U-Booten möchte. Wir dachten, dass es wirklich losgeht und spontan meldeten sich alle. Da nach Auffassung unserer Ausbilder Beweglichkeit in engen Räumen Voraussetzung für Dienst auf U-Booten ist, bekamen wir Gelegenheit, diese zu trainieren. Im Schulungsraum ging es dann auf Trillerpfeifensignal über Tische, unter die Bänke und über den frisch geölten Fußboden, bis wir ausreichend beruhigt waren.

Überhaupt waren so hintergründige Fragestellungen bei unseren Vorgesetzten sehr beliebt, zum Beispiel: „Wer ist Motorenschlosser?“ Die sich erwartungsvoll Meldenden bekamen dann die Aufgabe, den „Zwölf-Zylinder“ (die Toilette) zu reinigen. Auch mehrmaliges erfolgloses Kommando „Ruhe im Glied!“ konnte für ertappte Störer unangenehme Folgenhaben, zum Beispiel Flurschrubben nach Dienstschluss. Solche „Höhepunkte“ der Grundausbildung ließen sich fortsetzen bis hin zu „Flagge Lucie“ wo wir in affenartiger Geschwindigkeit unseren nicht unerheblichen Anzugsvorrat zwischen Ausgangsuniform (1. Geige), Bordpäckchen weiß und blau, und 2. Geige mit Stiefeln wechseln mussten. Anschließende Spindkontrolle natürlich einbegriffen. Und das alles in der Freizeit! Hauptsächlich lernten wir in der Folge aber auch, wie man sich militärisch richtig verhält, grüßt, gerade steht und auf Wache mit dem Karabiner ordentlich umgeht, ohne sich an der Dreikantklinge zu verletzen. Mit diesen Karabinern ausgerüstet, sollten wir im Infanterie-Einsatz - eingegraben an der Steilküste von Alt-Mukran - eventuellen Seelandetruppen das Fürchten lehren.

Aber schließlich war dieses Ausbildungsprogramm im Oktober zu Ende und wir durften das erste Mal in Marineuniform an Land gehen, allerdings nur geschlossen und in Begleitung Vorgesetzter. Nach der Vereidigung war dann Urlaub angesagt. Was waren wir stolz! Besonders in unseren Heimatorden trugen wir unsere schöne Uniform zur allgemeinen Bewunderung. Familie, Freunde, Freundinnen und die übrige Bevölkerung zollten uns Achtung und Anerkennung. Leider ist heute in der Öffentlichkeit und selbst in den Küstenstädten die Marineuniform fast verschwunden. Landgang bzw. Urlaub erfolgen wegen mangelnder Akzeptanz in Zivilklamotten.

Aus meinem ersten Urlaub zurück kommend, hieß es, wir werden neuen Aufgaben zugeteilt. Auf dem Paradeplatz in Dwasieden fand dann eine denkwürdige Verabschiedung durch den Chef der Schiffstamm-Abteilung statt. Ich glaube, es waren mehrere Hundert seehungrige Matrosen angetreten, die gespannt auf ihre weitere Verwendung warteten. Lange Nasen gab es bei denjenigen, die zu Wachkompanien delegiert wurden. Unsere Antreteordnung wurde immer kleiner. Ganz zum Schluss standen nur noch vier Matrosen auf dem sich leerenden Paradeplatz. Für die hieß es dann kurz und knapp: Die Matrosen Breitenstein, Brötzmann, Butz und Fiß sind für den Bordeinsatz als Pumpengasten auf SKR (russ. Abkürzung für KSS) vorgesehen und werden zur Baubelehrung abkommandiert. Darauf waren wir nicht gefasst, aber durch diesen Befehl wurde für uns die Seefahrt greifbar nahe. Wahrscheinlich war unsere pumpen- bzw. dampfverwandte Lehrausbildung Ausschlag für die direkte Borddelegierung. Die Baubelehrung erfolgte dann mit der ganzen Besatzung und unter Nutzung des im Hafen liegenden sowjetischen KSS „Barzuk“ (Dachs). In Erinnerung habe ich noch, dass wir in Kenntnis unseres Bordeinsatzes noch in Dwasieden den typischen wiegenden Seemannsgang geübt haben und auch nicht mehr jeden Volkspolizisten grüßten.

Zum Abschluss meines Rückblicks sei noch erwähnt, dass wir vier auf KSS 1-61, der späteren „Ernst Thälmann“ einstiegen, die Übernahme des Schiffes im Dezember 1956 mitmachten und bis November 1959 an Bord in verschiedensten Rollen Dienst taten.

Nach nunmehr über 50 Jahren meine ich, dass wir sowohl in der schweren Zeit der Grundausbildung und an Bord des KSS 1-61viel lernten, meist auf einfühlsame Vorgesetzte trafen, manchmal aber auch Willkür erdulden mussten. Ich bin mir aber gewiss, der Dienst in den Seestreitkräften hat unserer Persönlichkeitsentwicklung gut getan. Disziplin, Ordnung, Sauberkeit und besonders unbedingte Verlässlichkeit aufeinander haben uns für die Zukunft geprägt. Ich habe diese Zeit nie bereut und freue mich, dass sich alte Kameraden und Freunde im Traditionsverein KSS-Brigade Sassnitz oder in der Marinekameradschaft KSS Warnemünde regelmäßig treffen können.

— Wolfgang Fiß

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U-Jagd-Gruppe der BRF (Ende der 80iger Jahre) – Quelle: Internet
U-Jagd-Gruppe der BRF (Ende der 80iger Jahre) – Quelle: Internet

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