Anhang 3: Buch der guten Taten (Patenschaftsvertrag zwischen dem Volkstheater Rostock und dem KSS „Ernst Thälmann“)
Faksimile und Transkription des handschriftlichen „Buches der guten Taten“ über die Patenschaft zwischen dem Volkstheater Rostock und dem KSS „Ernst Thälmann“. Chronikartig werden von den Rügenfestspielen 1959/60 über den Vertragsabschluss im Januar 1964 bis Oktober 1968 gemeinsame Veranstaltungen festgehalten: Theaterbesuche, Foren mit Generalintendant Hanns Anselm Perten und Dr. h.c. Kuba, Gespräche mit Peter Weiss, Bordfeste, Faschingsveranstaltungen und die Leitung des Schiffschores durch Dietmar Bellmann. Mit Programmzetteln, Fotos und Zeitungsausschnitten.
Faksimile der handschriftlichen Seiten 43–52 (Teil 7). Die folgende Transkription wurde von den Seitenbildern abgeschrieben; Lesefehler sind möglich.

Um seine elementarsten Pflichten in der beruflichen Tätigkeit zu erfüllen, vor allem aber um am demokratischen Leben mit Erfolg teilnehmen zu können, um mitzuregieren, um in der Familie, im gesellschaftlichen Leben oder in der Arbeit voll und ganz seine Aufgaben zu erfüllen, braucht jeder Mensch in der sozialistischen Gesellschaft ein durch eigenes Bemühen und durch die Hilfe der Gesellschaft sich ständig entwickelndes Kulturniveau.
Walter Ulbricht
Entwicklung und Festigung der Freundschaft zwischen dem Volkstheater Rostock und dem Küstenschutzschiff „Ernst Thälmann“
August 1959 / August 1960
120 Matrosen, Meister und Offiziere nahmen gemeinsam mit 2000 Berufs- und Laienkünstlern an dem bedeutendsten Kulturereignis des Ostseebezirkes, den „Rügenfestspielen“ in Ralswiek, teil. Während der Proben und Vorstellungen der Ballade „Klaus Störtebecker“, kam es zu ersten persönlichen Bekanntschaften zwischen Schauspielern des Volkstheaters Rostock und Angehörigen des KSS Ernst Thälmann.

Januar 1964
Durch die Offiziere Korvettenkapitän Kremkau, Kapitänleutnant Kästner, Kapitänleutnant Kolditz wurden die offiziellen Verbindungen zum Volkstheater aufgenommen. Ein Vertrag über regelmäßigen Theaterbesuch durch Erwerb von monatlich 30 Stck Anrechtskarten wurde abgeschlossen.
21.2.1964
Auf Einladung des Generalintendanten, Genossen Hanns Anselm Perten, besuchten 30 Genossen die Generalprobe der Oper „Nabucco“. Anschließend fand eine Aussprache mit Darstellern des Stückes statt, an der auch Genosse Dr. h.c. Kuba teilnahm.

28. Februar 1964
Auf einem Forum über Fragen der Kultur und der Theaterarbeit stellen sich die Genossen H.A. Perten, Generalintendant, Dr. h.c. Kuba, Chefdramaturg, dem Kreuzverhör der wissensdurstigen Besatzung. Der Schauspieler Wilfried Kretschmer begeistert durch humorvolle Gedichte und Chansons alle Anwesenden und trägt mit zum vollen Gelingen des Nachmittages bei.
Am Abend sind die Künstler zu Gast an Bord. Der Einladung sind gefolgt:
- Genosse H.A. Perten, Generalintendant
- Genosse Dr. Kurt Barthel (Kuba), Chefdramaturg
- Frau Christine von Santen, Schauspielerin
- Frau Erika Wustmann, Opernsängerin
- Frau Jasmine Athanassiou, Souffleuse
- Genosse Gert Micheel, Schauspieler
- Genosse Wilfried Kretschmer, Schauspieler
- Herr Ralph Borgwardt, Schauspieler
Genosse Perten überbringt der Besatzung die Glückwünsche zum 8. Jahrestag der NVA und äußert den Wunsch, daß sich die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Ensemble des Volkstheaters und der Besatzung des Schiffes weiter festigen werden.
26. März 1964
Im Intimen Theater findet eine Sondervorstellung „Schloß Gripsholm“ für die Besatzung statt. Die 80 Anwesenden bedanken sich mit stürmischem Applaus.
Ostseewoche 1964
In Anwesenheit des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR und Ersten Sekretärs des ZK der SED, Walter Ulbricht, erleben zwanzig Matrosen, Uffz. und Offiziere im großen Haus des Volkstheaters die Premiere des Schauspieles „terra incognita“ von Nationalpreisträger Dr. h.c. Kuba.
Aus dem engen Vertraut-Sein mit dem Leben und mit den Problemen der Arbeiter im Erdölgebiet entstand das Schauspiel „terra incognita“. Nicht nur um „unbekanntes Land“, um die unerschlossenen Kräfte des Menschen geht es hier, die in der sozialistischen Gesellschaft ans Licht gehoben werden können. Diesem Prozeß, der nicht glatt und widerspruchslos verläuft, spürt der Dichter nach und fordert auf diese Weise auch unsere Antwort auf die entscheidenden Fragen unserer Zeit.

Oktober 1964
Auf Einladung der Besatzung nehmen sechs Kolleginnen und Kollegen des Volkstheaters, darunter die Opernsängerin Christel Garduhn-Schumacher und der Sänger und Schauspieler Ernst Heise, am Bordfest des KSS „Ernst Thälmann“ teil und erfreuen die Anwesenden mit einem extra für diesen Abend vorbereiteten Programm.
Januar 1965
30 Angehörige der Besatzung besuchen die Vorstellung „Hamlet“ von Shakespeare. Vorher werden die Matrosen, Maate und Offiziere vom Schauspieler Armin Roder mit dem Leben und Werk des großen englischen Dichters bekanntgemacht. Nach der Vorstellung haben Interessenten Gelegenheit, sich mit dem Hamlet-Darsteller, Kunstpreisträger Gerd Micheel, zu unterhalten.
1. März 1965
Der BGL-Vorsitzende des Volkstheaters, Schauspieler Wilfried Kretschmer überbringt der Besatzung die herzlichsten Glückwünsche zum 9. Jahrestag der NVA und überreicht im Namen des Theaterensembles Blumen und wertvolle Schallplatten.
27. März 1965
An der Premiere des „Marat“ von Peter Weiß nehmen 20 Genossen teil.

27. März 1965
Eine Delegation des Schiffes überbringt der Leitung des Volkstheaters die Glückwünsche der Besatzung zum Welttheatertag 1965. Die Genossen Kpt.Ltn. Ebert und Kpt.Ltn. Alex erhalten die Möglichkeit, sich mit dem in Schweden lebenden deutschen Schriftsteller Peter Weiss zu unterhalten. Dieser äußert seine Verwunderung und Anerkennung über das große Interesse der Matrosen und Offiziere für das Theater.
April 1965
Eine Delegation der Schiffsparteiorganisation der SED nimmt an der Wahlberichtsversammlung der Parteiorganisation des Volkstheaters teil. Kpt.Ltn. Kolditz überbringt die Grüße der Besatzung und dankt für die bisherige großmütige Unterstützung und Zusammenarbeit.
Mai 1965
Auf Einladung des Parteisekretärs des Volkstheaters, Harry Hähnel, nehmen die Genossen Kapitänleutnant Kästner und Kapitänleutnant Kolditz an einem militärpolitischen Forum im Rahmen des Parteilehrjahres teil und erläutern den Anwesenden die Militärpolitik unserer Partei und die Aufgaben der Volksmarine im Standort Warnemünde.
30. Juni 1965
Teilnahme von Besatzungsangehörigen an der Premiere des Trauerspiels „Maria Stuart“ in Güstrow.

1. März 1966
Anläßlich des 10. Jahrestages der NVA überbringt eine Delegation des Volkstheaters unter Leitung des Generalintendanten Hanns Anselm Perten die Grüße und Glückwünsche des Ensembles. Unter den Gästen befinden sich unter anderen:
- Genosse Harry Hänel, Dramaturg und Sekretär der Parteiorganisation des VTR
- Genosse Wilfried Kretschmer, Schauspieler und BGL Vorsitzender des VTR
- Genosse Horst Ziethen, Schauspieler
- Herr Ralph Borgwardt, Kunstpreisträger,
- Frau Elsbeth Schönfeld, Schauspielerin
Prominentester Gast des Abends ist der im Volkstheater Rostock zu Gast weilende Professor Karl Friedrich Kaul, der es sich hat nicht nehmen lassen, trotz wichtiger Arbeiten, der Einladung des Kommandanten nachzukommen. Atemlos lauschen Gäste und Gastgeber den Worten Professor Kauls, der spannend und nicht ohne Humor Episoden aus seinem bewegten Leben erzählt.
27. März 1966
Anläßlich des Welttheatertages 1966 finden die Premieren „Asylrecht“ Schauspiel von F.S. Inclán und das Musical „Ein Hauch von Romantik“ statt, an welchen Besatzungsangehörige teilnehmen.
Auf der anschließenden Premierenfeier überreichen Kpt.Ltn. Kolditz und Oberleutnant Benthin dem Volkstheater ein Erinnerungsgeschenk an die Rügenfestspiele, eine Hansekogge aus Intarsien gefertigt, im Namen der Besatzung.

20. August 1966
Der Schauspieler und Leutnant zur See d. Reserve Horst Ziethen leistet während seines Urlaubes für 10 Tage Dienst an Bord unseres Schiffes. In dieser Zeit findet eine Übung der Flottille sowie eine Übung der vereinigten Ostseeflotten statt, an welchen das Schiff Ernst Thälmann teilnimmt. Leutnant Ziethen leistet eine ausgezeichnete politische und agitatorische Arbeit an Bord und trägt damit zum guten Gelingen der Übungen bei.
28. August 1966
Die Genossen Korvettenkapitän Kremkau, Kapitänleutnant Kästner, Kapitänleutnant Kolditz, Leutnant d. R. Ziethen folgen einer persönlichen Einladung Dr. h.c. Kubas und besuchen den Schriftsteller und Nationalpreisträger in seinem Wohnsitz in Warnemünde. Es findet ein herzliches Gespräch über militärpolitische und kulturelle Fragen statt.
September 1966
Mit großem Interesse verfolgten die zwanzig Matrosen, Unteroffiziere und Offiziere die Ausführungen des Chefkommentators des Deutschen Fernsehfunks, Karl Eduard von Schnitzler, und stellten Fragen über aktuelle politische Probleme. Ein politisch wertvolles Forum, zu dem uns der Parteisekretär des Volkstheaters, Genosse Harry Hänel, eingeladen hatte.
Januar 1967
Die Genossen Eberhard Mellies und Siegfried Kellermann Schauspieler am Volkstheater Rostock, sprechen auf einem Forum vor Matrosen über ihre Eindrücke von den Gastspielreisen des Volkstheaters in Westdeutschland.
28. April 1967
Anläßlich des Abschlusses des 1. Ausbildungshalbjahres findet im Foyer des kleinen Hauses ein Bestenempfang besonderer Art statt, zu der der Chef der KSS-Abteilung Matrosen, Unteroffiziere und Offiziere mit ihren Angehörigen eingeladen hat. Nach dem gemeinsam besuchten Stück „Happy end“ wird der offizielle Teil in Anwesenheit der Leitung des Volkstheaters eröffnet und die Placierung der Schiffe im sozialistischen Wettbewerb bekanntgegeben. Das Schiff Ernst Thälmann hat den 1. Platz belegt. Nach diesem Teil begeistern uns die Genossen des Volkstheaters mit dem Programm der „Kleinstrevue Nr. 1“. Der Abend klingt aus mit einem geselligen Beisammensein mit unseren Freunden vom Volkstheater Rostock, für alle Anwesenden eine liebe, bleibende Erinnerung.
19. Oktober 1967
Künstler des Volkstheaters nehmen am Bordfest des Schiffes teil und erfreuen die Anwesenden mit heiteren Melodien und Gedichten. Wilfried Kretschmer macht persönlich die Bekanntschaft Neptuns und bekommt für seine Verdienste um die Festigung der Freundschaft zwischen dem Volkstheater und dem Schiff Ernst Thälmann ein kleines Geschenk, eine Fernsehleuchte in Form eines Leuchtturmes, überreicht.
1. November 1967
Kollege Dietmar Bellmann, Schauspielkapellmeister am Volkstheater Rostock, übernimmt die Leitung des Chores vom Schiff. Es beginnt eine regelmäßige Probenarbeit, an der stets ca. 20 Genossen teilnehmen. Seiner Arbeit ist es zu verdanken, daß das Niveau des Chores gestiegen ist und wir mehrmals bei Leistungsvergleichen den ersten Platz belegen konnten. Fast alle Chormitglieder sind regelmäßige Theaterbesucher.

19. Januar 1968
Anläßlich des 7. Jahrestages des Bestehens der KSS-Abteilung findet im Kurhaus Warnemünde ein großer bunter Abend statt, an dem neben Vertretern der Patenbetriebe auch eine Delegation des Volkstheaters teilnimmt.
24. Februar 1968
Gemeinsam mit der FDJ-Org. der Neptunwerft führt die Besatzung eine Faschingsveranstaltung durch. Herr Grossinski und Frau Lodemann, von der Kostümschneiderei des VTR hatten an dem gelungenen Abend wesentlichen Anteil, da sie uns alle benötigten Kostüme und Requisiten zur Verfügung stellten.
28. Februar 1968
Eine Delegation des Schiffes nimmt teil an der Wahlversammlung des FDGB der Belegschaft des Volkstheaters. Leutnant zur See Waschko überbringt die Grüße der Besatzung und dankt für die ausgezeichnete Unterstützung des Chores durch den Kollegen Bellmann.
1. März 1968
Künstler des Volkstheaters gestalten gemeinsam mit der Kulturgruppe der KSS-Abteilung, zu welcher auch der Chor unseres Schiffes gehört, die Festveranstaltung der Flottille. Die Mitwirkenden sind u.a.
- Peter Bause
- Siegfried Kellermann
- Eva Maria Hauck
- Christel Garduhn-Schumacher
- Hella Müller
- Rolf Mey-Dahl
- Ernst Heise
- Hans-Jürgen Frohriep
- Dietmar Bellmann
Anschließend waren die Künstler Gäste des Küstenschutzschiffes „Karl Liebknecht“.
15. März 1968
Die Genossen Kpt.Ltn. Kolditz und Oberleutnant Benthin nehmen an der Wahlberichtsversammlung der SED des Volkstheaters teil. In seinem Diskussionsbeitrag spricht Gen. Kolditz über den Einfluß der kulturellen Freizeitbeschäftigung auf die Gefechtsausbildung.
21. April 1968
Die Mitglieder des Chores besuchen gemeinsam das Musical „Küß mich, Kätchen“. Im Anschluß daran findet im Klub des Volkstheaters ein geselliges Beisammensein mit den Sängern und Schauspielern statt, wo zwanglose Gespräche über Theaterarbeit und Kulturpolitik geführt werden.
4. August 1968
Der Chor tritt unter Leitung des Kollegen Bellmann in Kirchdorf auf der Insel Poel auf. Der Tag klingt aus mit einem gemeinsamen Theaterbesuch „Chanson international“ in der „Kleinen Komödie“ in Warnemünde.
5. Oktober 1968
Der Chor des Schiffes belegte beim Kulturausscheid der KSS-Abteilung den 2. Platz. Das Kollektiv unter Leitung des Kollegen Dietmar Bellmann wurde dafür mit einer Geldprämie von 150.- Mark belohnt.
— zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz Kremkau
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