„Salve! – Feuer!“ Während der Übung an Bord der „Friedrich Engels“
Zeitschriftenreportage von Dieter Flohr über eine Übung der Volksmarine im August 1967 an Bord des KSS „Friedrich Engels“, das gerade seine 50000. Seemeile seit Indienststellung zurückgelegt hat. Im Mittelpunkt stehen das Küstenzielschießen der Geschützbedienung von Maat Hanel sowie ein Übungsangriff von Torpedoschnellbooten und Jagdflugzeugen auf den Verband. Wann und wo der Artikel erschien, ist nicht mehr bekannt.
Anmerkung der Redaktion: Diesen Artikel schrieb Dieter Flohr. Er kann sich aber nicht mehr erinnern, wann und für welche Publikation diese Zeilen entstanden sind.
Just in dem Augenblick, in dem ich mich in der Offiziersmesse der „Friedrich Engels“ an Bord melden wollte, verkündete Kapitänleutnant Süße ein interessantes Rechenergebnis: Am 16. August 1967 09.32 Uhr MEZ hat das Schiff die 50000. Seemeile seit Indienststellung bei der Volksmarine ohne Havarie zurückgelegt. Eine stattliche Bilanz. Umgerechnet auf die Höhe des Äquators bedeutet diese Zahl, dass die „Friedrich Engels“ 2,33 mal um die Erdkugel gefahren ist. Doch es war nicht die Zeit, tiefsinnige Betrachtungen anzustellen. Die Übung der Volksmarine lief, und es galt, alle Aufmerksamkeit darauf zu richten, das Wettbewerbskonto mit erfolgreichen Ausbildungsergebnissen zu erhöhen.
Salventakt der Bedienung Hanel
Das Schiff absolvierte in den folgenden Stunden und Tagen die verschiedensten Aufgaben. Es löste Sicherungsaufgaben und fuhr Geleitschutz. Dann stand es jedoch vor einer großen Bewährungsprobe. Es begann im Morgengrauen. Die Kaliber schwenkten Richtung Küste. „Auf Küstenziel – Entfernung … - Richtpunkt … - Salve– Feuer!“ Salve für Salve, eine Breitseite nach der anderen verlässt die schlanken Rohre. Dunkler Pulverdampf vermischt sich mit grauem Morgennebel. Das ist die Stunde für die Geschützbedienungen der Hauptkaliber. Hundertfach trainiert, in Sekundenschnelle schieben derbe Matrosenfäuste die Kartuschen in die Rohre. Maat Hanel, Geschützführer der GS-6/II auf dem Bootsdeck hat sich gründlich mit seiner Bedienung auf diese Bewährungsprobe vorbereitet. Matrose Baumert und Matrose Barkowski waren neu an Bord gekommen und hatten noch vor der Übung viel über ihr Schiff zu lernen, um die Aufgabe B-1 abzulegen.
Maat Hanel ist seit zwei Jahren Geschützführer und verantwortungsbewusster Genosse. Er vertritt den Oberstückmeister und gehört zu den Besten des Schiffes. Den letzten Wettstreit in der Einzelausbildung gewann seine Geschützbedienung. Eine Prämie von 100 Mark war der Lohn dieses Sieges. Damit hatten sie ihren Ruf, „Beste Gefechtsstation“ des Artillerieabschnittes des Schiffes „Friedrich Engels“ zu sein, bestätigt.
Maat Hanel will in diesem Jahr die Bestenauszeichnung erringen. Die Aussichten dafür sind günstig. Der gelernte Betriebsschlosser aus dem Dresdner Transformatorenwerk will später einmal Lehrmeister werden. „Als ich als Maat an Bord kam, hatte ich es nicht leicht“, sagte er aufrichtig. „An der Waffe traf ich auf langgediente Stabsmatrosen, die mir in der Praxis etwas vormachten. Doch das änderte sich bald. Mir hat die Armeezeit sehr viel gegeben.“
Im Kreuzfeuer
In festgelegten Salventakten fahren feurige Zungen aus den Rohren. Schließlich wird überall das Feuer eingestellt. Kurze Zeit später ziehen schon die Genossen das Rohr durch und bringen es wieder auf Hochglanz.
Die Sonne hat den Zenit längst überschritten. Die „Friedrich Engels“ läuft in Kiellinie der „Karl Liebknecht“. Ein leichter Nebel liegt über dem azurblauen Meer. Wellen kräuseln die Wasseroberfläche. „Verstärkte Luft- und Seeraumbeobachtung!“ befiehlt Kapitänleutnant Winter. Es riecht förmlich nach Torpedoschnellbooten. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Wir geraten in einen Wirbel, wie ich ihn noch niemals erlebt habe. Fast gleichzeitig kommen von den Zielgebern Sichtmeldungen. Backbord 30 – TS-Boote! Flugzeug, Steuerbord 50, hoch 20!
Jetzt ist die Reihe an Maat Albert mit seiner Geschützbedienung und den anderen Genossen, um zu zeigen, ob sie die pausenlos im Tiefflug heranjagenden Jäger in die Visiere bekommen. Die Hauptkaliber schießen währenddessen TS-Boots-Sperrfeuer. Da, Leuchtsignale auf den angreifenden Booten, ein Stern Grün! Noch einer! Torpedo los! Die TS-Boote drehen ab. Eine dichte Nebelwand verdeckt ihren Rückzug. Immer noch rasen Flugzeuge fauchend heran! In geringer Höhe! Es bleibt keine Zeit zur Besinnung. Steuerbord 20 – TS-Boote, eine neue Hiobsbotschaft. Es sind LTS-Boote. Direkt aus der Sonne jagen sie heran, die Windhunde der Ostsee. Sie schießen ihre Übungs-Aale und verschwinden wieder. Blasenbahnen ziehen auf uns zu – Torpedos! Ein unangenehmes Gefühl, Sparringspartner zu sein. Die Übung geht dem Ende entgegen. Alle sind beeindruckt von der Präzision der Angriffe und des Zusammenwirkens mit unseren Fliegern.
— Dieter Flohr
Weitere Abbildungen auf diesen Seiten
Verwandte Beiträge
- Richard Blumenthal, NBI (Neue Berliner Illustrierte), Ausgabe 4/65Teil 5
- Teil 7
- M. Berghold, Armeerundschau 10/62Teil 10
- Ernst GebauerTeil 7
- Wolfgang Schünke, SeesportTeil 8
- Lothar Kolditz, Fritz NaumannTeil 2

